Online-Planspiel "zusammenleben. zusammenhalten.": Wie Gesellschaft gelingt

20.04.2021 CJD Bodensee-Oberschwaben « zur Übersicht

Im Rahmen des Programms "Respekt Coaches" wurde das Online-Planspiel "zusammenleben. zusammenhalten." mit der 9. Klassenstufe der Friedrich-Uhlmann-Gemeinschaftsschule in Laupheim durchgeführt. Ausgangspunkt des Planspiels ist die Frage, wie wir in unserer Gesellschaft auf individuelle Lebensentwürfe Rücksicht nehmen und öffentliche Räume gemeinsam gestalten können. Die Teilnehmenden fanden sich in folgendem Szenario wieder: Das Gebäude "Alte Volkshochschule" in Wiesenstädt nutzen unterschiedliche Gruppen als Ort der Zusammenkunft. Die Nachbarschaft ist genervt von der Lautstärke und auch die Gruppen, die das Gebäude als Treffpunkt nutzen, sind unzufrieden.

Neben einer Jugendmusikgruppe sind u. a. ein Männerkochclub, Rentner*innen und ein Orchester Teil des Planspiels. Zielsetzung ist, dass die Teilnehmenden lernen, andere Perspektiven zu übernehmen und Empathie unterschiedlichen Interessenslagen gegenüber zu zeigen. Die teilnehmenden Schüler*innen empfanden es als anspruchsvoll, sich in die verschiedenen Rollen hineinzuversetzen. Während der Gruppendiskussionen fingen die jungen Teilnehmenden schnell an, sich über die Probleme im Haus zu beratschlagen und mögliche Lösungsvorschläge einzubringen. Es gab zahlreiche, individuelle Ideen:

  • Erstellung eines Wochenplans mit Raumbelegung und Ruhezeiten
  • Erstellung von Dienstplänen zur Verteilung von Verantwortlichkeiten
  • Festhalten von Sanktionen bei Regelverstößen
  • Festhalten von Ansprechpartner*innen

Eine heiße Diskussion unter den Teilnehmenden entstand insbesondere beim Thema Sanktionen: Was ist dabei angemessen? Eine Geldstrafe oder sogar ein Hausverbot? Wer entscheidet, welche Sanktionen greifen? In einer abschließenden Reflexionsphase wurde das Erlebte rekapituliert. Die Teilnehmenden diskutierten auch die Funktionen von Regeln im Allgemeinen. Wenig Zeit blieb für die weitere Vertiefung der Inhalte des deutschen Grundgesetzes, die im Rahmen des Planspiels angesprochen wurden. Allerdings erfolgte einige Wochen später eine eigenständig entwickelte Einheit zum Thema Menschenrechte.

Die Moderatorinnen Maren Preisinger und Rebecca Pfenning (CJD Biberach) stellten sich im Verlauf des Planspiels vor allem folgende Fragen: Wie viel greifen wir ein und wie lange lassen wir die Diskussionen laufen? Um den Teilnehmenden viel Raum zu lassen, hielten sich die Moderatorinnen weitestgehend zurück. Es habe ihnen viel Spaß gemacht, die Teilnehmenden durch das Planspiel zu manövrieren. Den Bedürfnissen der Teilnehmenden auch online gerecht zu werden, war allerdings eine Herausforderung. Dies beinhaltete, bei einigen Teilnehmenden um Geduld zu bitten und gleichzeitig anderen Jugendlichen bei Schwierigkeiten zu helfen. Darüber hinaus waren die Teilnehmenden unterschiedlich stark aktiv, weshalb die Moderatorinnen diesen Aspekt in der Reflexionsphase aufgriffen: Warum könnte es sein, dass einzelne Gruppen "nicht mitmachen"? Wie können wir mit solchen Herausforderungen in der Realität umgehen? "Regeln können uns einschränken, aber auch schützen vor anderen. Sie sind damit ein guter wie auch schlechter Teil unseres Lebens", so fasste eine Schülerin das Fazit des Online-Planspiels zusammen.

Das Planspiel wird durch das Projekt Prävention und Gesellschaftlicher Zusammenhalt (PGZ) des Deutschen Volkshochschul-Verbands zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Text: Adriane Schmeil