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Hört meine Stimme - Rana erzählt

14.02.2019 CJD Bodensee-Oberschwaben « zur Übersicht

RANA, 21
JAHRE Rana stammt aus Aleppo in Syrien, jobbt zur Zeit als Rettungsschwimmerin im Meersburger Freibad und macht bald ihr Abitur. Ich treffe sie an ihrem Arbeitsplatz. Es ist heiß, voller Leute und laut. Trotzdem finden wir uns sofort: WhatsApp sei Dank. Wir suchen uns ein einigermaßen ruhiges und einigermaßen schattiges Plätzchen, um uns zu unterhalten. Sie erzählt mir, dass sie zuhause in Syrien neun Jahre lang Schwimmerin in der Nationalmannschaft gewesen ist. Enttäuscht habe sie dann in ihrer neuen Heimat feststellen müssen, dass es in der Nähe kein solches Schwimmerteam gibt. „In Friedrichshafen gibt es einmal wöchentlich Schwimmtraining, daheim habe ich zweimal täglich trainiert“, verrät sie mir. Und dann sei da noch die Schule. Oft komme sie erst nachmittags nach Hause, dann gibt es noch die Hausaufgaben. In Syrien, da sei sie morgens als Erstes in die Schwimmhalle, dann zur Schule, nach Hause und nach den Hausaufgaben direkt wieder zum Training gegangen. Auf die Frage, was sich noch verändert habe an ihrem Tagesablauf und Alltag, schaut sie mich direkt an: „Alles ist hier anders.“ Hier in Deutschland sei sie für Einiges mehr verantwortlich als in Syrien. Da sie mit ihren Eltern und ihrer jüngeren Schwester zusammenlebt, hilft sie ihren Eltern mit der Sprache, macht Arzttermine, erledigt Behördengänge und kommt überallhin mit, wo eine Übersetzerin gebraucht wird. Ihre Eltern seien nach ihr und ihren drei Geschwistern – ihr älterer Bruder und ihre große Schwester leben nicht mit ihnen zusammen – nach Deutschland gekommen. Noch hätten ihre Eltern daher Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache, erläutert sie. Doch auch zum Positiven habe sich manches verändert. Schule findet sie hier spannender. Sie hat Chemie und Mathematik für sich entdeckt und mag später auch Pharmazie oder Chemie studieren. Im medizinischen Bereich habe sie bereits ein Praktikum gemacht: „Ich überlege, in Freiburg zu studieren. Es ist echt schön da und viele sagen, dass die Uni dort auch echt gut ist!“ Ich frage sie, woher sie die Kraft für all das nimmt, was sie in ihrem Leben trägt. Sie muss nicht lange überlegen: „Meine Eltern und meine Geschwister – die motivieren mich, immer weiter zu machen!“ Ihre Eltern seien es auch gewesen, die ihr und ihren Geschwistern immer gesagt hätten, sie sollten im Leben das tun, was sie wirklich wollen. So sei sie zum Schwimmen gekommen und so setze sie ihr Leben auch fort. Zur Rettungsschwimmerin ist sie dann in Deutschland geworden. Sie entdeckte das Angebot des DLRG, als sie mit ihrem Bruder beim Schwimmen war. „Ich bin so froh, diesen Job zu haben“, sagt sie mir. Sie fühle sich wohl und habe tolle Kollegen. Ich bin beeindruckt von ihrem Selbstbewusstsein. Auf die Vorurteile kommt sie später zu sprechen, kurz bevor wir uns verabschieden. Sie sei einmal gefragt worden, ob es in Syrien denn Geschäfte gebe, in denen man Kleidung kaufen könne. Ich muss lachen über die absurde Frage, obwohl es ja eigentlich gar nicht zum Lachen ist, was manche für Vorstellungen haben. „Und dann wurde ich auch schon oft gefragt, ob ich das Kopftuch erst weggelassen habe, seit ich in Deutschland bin“, ergänzt sie. Offenbar könne sich hier kaum jemand vorstellen, dass man in Syrien die Freiheit habe, sich zu kleiden, wie man wolle. Und so endet unser Gespräch mit Ranas Wunsch, dass sich Menschen mehr mit fernen Ländern befassen sollten, statt sich irgendwelche verrückten Dinge über diese zusammenzureimen.

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