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Hört meine Stimme - Aya erzählt

11.01.2019 CJD Bodensee-Oberschwaben « zur Übersicht

AYA, 27 JAHRE

„Aleppo war eine schöne Stadt. Ich hatte viele Freunde dort. Es gab dort viele schöne Sachen“, erzählt Aya, die ebendort aufgewachsen ist und dann, nach einer kleinen Pause: „Aber jetzt ist alles weg.
Die 27-Jährige musste, wie viele, wegen des Kriegs ihre Heimat verlassen. Dreieinhalb Jahre ist das jetzt her. In der Zwischenzeit hat sie Deutsch gelernt und einen Sohn geboren.
Auch ist sie schon weit herumgekommen: In Koblenz, Karlsruhe, Heidelberg, Eriskirch hat sie gelebt. Jetzt wohnt sie seit zwei Jahren in Friedrichshafen. Zwischendurch hat sie Berlin besucht. „Da gefällt es mir“, sagt sie. Doch auch in Friedrichshafen fühlt sie sich wohl. Sie lebt mit ihrem Mann und kleinen Sohn in einer gemütlichen hellen Wohnung nahe des Zentrums. Ich bekomme Cola serviert: In einer Dose, aber mit Glas und auf einem Silbertablett und überlege kurz, wie stillos ich meinen Gästen Getränke hinstelle. Es ist draußen unerträglich warm und ich bin froh, dass es hier drinnen hinter den Vorhängen, die den Raum abschatten, deutlich kühler ist.
An der Wand steht „Love“, also Liebe, in riesengroßen Buchstaben. „Lebensmotto“ muss sie per Handyapp übersetzen lassen, um mich zu verstehen, denn solche Begriffe lernt man offenbar im Deutschkurs nicht (ich habe während anderer Interviews festgestellt, dass der Begriff auch jenen mit noch höherem Sprachniveau unbekannt ist). Doch für all das, was wesentlich ist, reichen die Worte. In einen Moment der Stille hinein sagt sie: „Ich hoffe, dass Aleppo wie Friedrichshafen auch wieder aufgebaut wird.“
„Lieben“ übersetzt sie mir dann den Namen ihres Sohns, der während des Gesprächs immer wieder versucht, unsere Aufmerksamkeit zu ergattern. Sie erklärt mir dann, dass sie jetzt erst einmal Niveau B2 im Deutschen erreichen mag und dann eine Ausbildung machen. In fünf, sechs Jahren könne sie sich vielleicht ein zweites Kind vorstellen. Aya mag Kinder. In Syrien war sie Erzieherin und Lehrerin.

Kindergartenkinder und Grundschulkinder hat sie unterrichtet. Ganz nebenbei erklärt sie, dass die Grundschule in Syrien sechs und damit zwei Jahre länger als in Deutschland dauert. Ihr Lieblingsfach? Mathe! Genau so schnell folgt die Antwort auf die Frage, ob sie vorhat, auch in Deutschland wieder als Lehrerin zu arbeiten: „Nein, ich habe ja keine Papiere dafür.“ Als sie mit Kopftuch zurückkommt, damit ich sie fotografieren darf, frage ich sie, ob sie deshalb eigentlich manchmal Blicke oder Kommentare ertragen muss. „Ich erlebe gar nichts, keine Vorurteile“, sagt sie bestimmt und schüttelt bekräftigend den Kopf.
Trotzdem sei die erste Zeit in Deutschland nicht einfach gewesen, so ohne Freunde und ohne die Sprache zu sprechen. Und jetzt? „Alles gut“, das sagt sie mehrfach. Freunde habe sie viele gefunden:

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